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E-Auto – ist das schon was für weite Strecken?

Auto an einer Ladesäule vor der Bergkulisse der Hohen Tatra

Zugegeben, ich war lange skeptisch, was die Alltagstauglichkeit von E-Autos anging, wenn man im Jahr mehr als 10.000 Kilometer fährt. Im Stadtverkehr ist ein E-Auto unschlagbar, aber auf der Autobahn? Mit meinem Audi und dem eingebauten 3-Liter-6-Zylinder-Triebwerk war ich schnell und ausdauernd auf den Autobahnen unterwegs. Auch im europäischen Ausland war Tanken kein Problem. Zugeben muss ich natürlich, dass das Auto ein Firmenwagen war und mich die hohen Spritpreise dank der Tankkarte nicht direkt belastet haben. 

Seit ca. 4 Monaten fahre ich nun ein vollelektrisches Auto. War da Zwang dahinter? Nein, ich hätte mir auch wieder einen Verbrenner aussuchen können. Aber ich war mittlerweile neugierig, wie das mit einem E-Auto so funktioniert. Die Wahl ist auf einen ID.7 GTX Tourer von Volkswagen gefallen. Das Platzangebot in dem Fahrzeug ist schon gut. Aber das haben Verbrenner auch. Das Erste, was sehr positiv aufgefallen ist: Es ist sehr ruhig beim Fahren. Kein Motor brummt. Mittlerweile habe ich mich auch daran gewöhnt, dass ich keinen Motor starten muss. Einfach auf „D“ oder „B“ stellen und losfahren. Wobei ich am Liebsten in „B“ fahre, um die Rekuperation, also die Energie-Rückgewinnung, beim Verzögern zu nutzen und nur mit dem Gaspedal das Auto auch zu bremsen.

Nach ca. 20.000 Kilometern vollelektrisch durch Deutschland, Italien, Tschechien und die Slowakei möchte ich nun ein erstes Fazit ziehen. 

  1. Ladeinfrastruktur war immer ausreichend vorhanden. Manchmal waren die Säulen defekt oder einfach alle Kabel an der Schnellladesäule abgeschnitten und geklaut. Ist eben Kupfer drin. Daher sollte man immer ausreichend Reserve haben, um auch an einer anderen Ladesäule zu laden. Ist aber kein Unterschied zum Verbrenner. Wenn die Tankstelle zu hat, gibt es auch keinen Kraftstoff. Eine Besonderheit ist mir auf der Brenner Autobahn A22 in Italien aufgefallen. Hier scheint die Autobahngesellschaft die Hand auf alle Ladesäulen zu haben. Es gibt auch eine eigene App (rEVcharge A 22) dafür. Da gibt es neben den Ladesäulen ein Bedienpanel, über das die richtige Säule und die Bezahlung ausgewählt werden. Und ja nicht vorher den Stecker am Auto anstecken! Die klassischen Ladekarten haben bei mir dort nicht funktioniert. Ich habe da viele Ausländer, aber auch Italiener, entnervt weiterfahren sehen. Die Bedienung ist kompliziert und gewöhnungsbedürftig. Ansonsten hat in Italien, Österreich, Tschechien und auch in der Slowakei das Laden immer geklappt. Nur in Italien habe ich es zwischen Bologna und Rimini einmal erlebt, dass alle Ladesäulen besetzt waren. Ansonsten war immer mindestens ein Ladeplatz frei.
  2. Das Laden dauert länger als ein reiner Tankvorgang beim Verbrenner. Aber wenn das Auto angesteckt ist und der Strom fließt, kann ich die Zeit irgendwie nutzen. Entweder einfach mal Pause machen und einen Kaffee trinken, Mails checken usw. Bisher habe ich es eher positiv empfunden, dass ich zu einer kurzen Pause gezwungen wurde. Irgendwie ist E-Auto-Fahren dadurch entspannter. Je nach Ladesäule und Auto kann natürlich unterschiedlich schnell geladen werden. Traue nie den Angaben der Ladepunktbetreiber. Meistens lädt die Säule langsamer als angegeben. Der maximal angezeigte Ladestrom im Display bei meinem Auto war bisher 195 kW. Das waren 17 Kilometer Reichweite pro Minute, die da in die Batterie gepresst wurden. Aber meistens bin ich schon froh, wenn wenigstens 130 kW geladen werden (obwohl auf der Säule 300 kW oder mehr stehen). 
  3. Als sehr angenehm habe ich die Möglichkeit empfunden, das Auto an den heißen Tagen mit der Standklimatisierung im Innenraum auf eine angenehme Temperatur zu bringen. Das war mir im Vorfeld so gar nicht bewusst. Beim Verbrenner hätte jedes Mal der Motor laufen müssen, um die Klimaanlage benutzen zu können. Beim ID.7 habe ich aus der Ferne über die App die Klimatisierung gestartet. In Italien der absolute Hit.

Bisher habe ich den Umstieg in keinster Weise bereut. E-Autos lassen sich gut fahren und sind agil im Straßenverkehr. Auch lange Touren sind kein Problem. Das Navi plant die Ladestops schon mit ein. Man muss sich nur daran gewöhnen, nicht immer an Tankstellen zu laden. Manchmal steht man auch ganz allein in einem Industriegebiet an einer Ladesäule. 

Wenn die notwendigen menschlichen Pausen mit den Ladestopps synchronisiert werden, hat man auch keinen Zeitverlust.